Weimars "King of the Keys"

11.11.2014

Bericht von Eckart Rohlfs

Weimars "King of  the Keys"

4. Internationaler Franz Liszt Wettbewerb für junge Pianisten

Wettbewerbe für den künstlerischen Nachwuchs stellen in der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar einen gewichtigen Höhepunkt im Studienverlauf dar. Sie geben den Schülern ihres Hochbegabtenzentrums und ihren Studierenden Orientierung und  Zielvorstellungen. Im jährlichen Wechsel ausgeschrieben für Geigenspieler und für Pianisten, entweder für Schüler und Jungstudenten bis 13 bzw. 17 Jahre oder für Jungprofis bis Ende Zwanzig. Dass weltweite Maßstäbe gelten, dafür sorgen hochkarätige Jury-Gremien und ein herausforderndes Spielrepertoires. yang_yuanfan_foto_maik_schuck_524860cd1

Yuanfan Yang, Foto Maik Schu

Ein Wettbewerb wie dieser, der sich unter dem Namenspatron Liszt an junge Musiker im Schüleralter wendet, erwartet nicht nur virtuoseste Fingertechnik, sondern auch schon individuelle Persönlichkeiten mit eigenen Empfindungen und Ausdrucksfähigkeiten. Man spürt rasch, ob eine Darbietung  angelernt,  einstudiert ist, oder wie Michael Obst als Hausherr es im Geleitwort ausdrückt, es den Spielern „ein inneres Bedürfnis ist, sich durch und über die Musik seelisch-emotional auszudrücken und ob das Üben und Spielen aus ureigenem Antrieb heraus erfolgt und einen unverzichtbaren Teil ihres Lebens darstellt.“

Welchen  Ruf die Weimarer Musikhochschule weltweit genießt, zeigen die Anmeldungen aus 22 Ländern rund um den Globus. Von den rund 50 teilnehmenden Pianisten kam ein Drittel aus europäischen Ländern (7 aus Deutschland) angereist, fast ein weiteres Drittel aus China, der Rest aus aller Welt: vier aus Thailand, einzelne aus Japan, Israel, Kasachstan, Russland, Armenien, Nord- und Süd-Korea . Ähnlich international gemischt auch die Jury unter dem Vorsitzenden des Weimarer Klavierprofessors Grigory Gruzman   mit Justas Dvarionas aus Litauen,  Andras Kemenses aus Ungarn, Elzen Koladin aus Polen, der armenischen Staatspreisträgerin Svetlana Navassardian, der St.Petersburger Nina Seregina und der Chinesin Xinin Zhang sowie als Begründer dieses Wettbewerbes der Weimarer Klavierprofessor Peter Waas. Erstmals war in diesem Klavierwettbewerb eine Junior-Jury eingeladen, Abgesandte aus den verschiedenen Musikgymnasien Berlin, Dresden, Rostock und Weimar - gleichaltrige Pianisten mit eigener Wettbewerbserfahrungen, jetzt aber auf der „anderen Seite“ kritisch lauschend. Natürlich haben sie sich gründlich auf das zu beurteilende Programm vorbereitet und  dabei selbst eine interessante Fortbildung erhalten. Diese Jugendjury ist allerdings keine Erfindung dieses Wettbewerbes, sondern damit experimentiert hatten schon vor 35 Jahren die internationalen Wettbewerbe der Jeunesses Musicales in Belgrad und so den Kandidaten das Gefühl vermittelt, von Ihresgleichen bewertet zu werden.

Eine weitere Novität: neben dem üblicherweise geforderten  solistischem Repertoire aus verschiedenen Stilepochen lenkte dieser Wettbewerb auf  kammermusikalisches Spiel. Man legte den Junior-Pianisten ein Klaviertrios von Mozart, den Senioren eines von Mendelssohn vor. Schüler des Musikgymnasiums spielten den Streicherpart dazu,– wie sich zeigte, von den Kandidaten mit Eifer und vortrefflichem Einsatz angenommen, vom Publikum anerkennend quittiert. Alternativ erlaubte die Ausschreibung, sich mit einer Eigenkomposition oder mit einer Improvisation nach gegebenem Thema vorzustellen. Davon haben je zwei Kandidaten Gebrauch gemacht,.

Einen Sonderpreis möchte man gerne dem Orchester des Musikgymnasiums Schloss Belvedere unter der Leitung des inzwischen in Weimar heimisch gewordenen Katalane Joan Pagès Valls zedieren, das die zweimal drei Finalisten bei Haydns Klavierkonzert D-dur begleitete. In der Junior-Kategorie lagen die drei Finalisten mit Ihrem kindlichen Charme und ausstrahlender Fröhlichkeit, an den Tasten zu einer ganz eigenen künstlerischen Persönlichkeit mutierend, so dicht beieinander, dass die drei Preise mit gutem Gewissen austauschbar erscheinen: Mit dem 1. Preis bedacht wurde die elfjährige  Nordkoreanerin Sin A Ma, als zweite die in Düsseldorf geborene dreizehnjährige Yumeka Nakagawa, Jungstudentin in ihrer Heimatstadt und schon mehrfach bei Wettbewerben in Dortmund, Hamburg und Frankfurt ausgezeichnet. Im Schlusskonzert offerierte sie spritzig sprudelnde Scarlatti-Sonaten. Die Ditte, die 12-jährige Chinesin Xinyue Gao stellte mit Czernys Etüde op. 740/16 ihre rasante Fingerfertigkeit unter Beweis.

Für die Senior-Finalisten war Edvard Griegs Klavierkonzert mit dem im Abschlusskonzert um Musiker der Staatskapelle verstärkten Belvedere-Orchester ein anspruchsvoller Prüfstein. Hier geriet das Spiel zum ausgesprochenen Höhepunkt, souverän gestaltet  von dem selbstsicheren 17-jährigen BBC-Preisträger Yuanfan Yang. Gebürtig in Edinburgh erweitet er derzeit in der exklusiven Chetham's School of Music in Manchester sein künstlerisches Potential. In Weimar re-issuerte er als der "King of the Keys" wie zuvor im Dutzend  bisher absolvierter Wettbewerbe, zudem ein Multitalent, das mit Eigenkomposition ("The Haunted Bell", die "Spuk-Glocke") oder der Lust zu improvisieren auf sich aufmerksam macht. Das brachte ihm Extraauszeichnungen und auch den EMCY-Preis ein; so einer Ausnahmeerscheinung will man gerne wiederbegegnen. Den eindeutigen Abstand im Vorspiel der beiden anderen Finalisten löste die Jury damit, keinen zweiten, dafür zwei dritte Preise zu vergeben und zwar an Alim Beisembayev, geboren 1998 in Kasachstan, jetzt betreut in der englischen Purcell School for Young Musicians, und an den 1997 in Ankara geborenen Türken Can Çakmur, offensichtlich in bester Obhut bei namhaften Klavierpädagogen in Belgien, Frankreich und in der Türkei. Auch diese beiden Talente werden sicherlich wieder von sich hören lassen.

Update by Boris Svetiev 08.12.2014

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